Tiziana Pagano: Panzer (2009) – Raum für den Beginn des Neuen

Auf den ersten Blick wirkt „Panzer“ wie eine komplizierte Ineinanderschachtelung von Farbflächen. Einem Kunststudenten mag das Vorgehen bekannt sein: es sind Farbklänge, die hier komponiert werden. Was anders ist: Tiziana Pagano nimmt die Übung wieder auf und geht weiter. Es entsteht ein Gesamtbild mit grosser Tiefe und Aussagekraft. Farbraumklänge heisst die Werkreihe, und der Titel ist Programm: Farbklang schafft Raum.

Tiziana Pagano: Panzer (2009). Alle Rechte vorbehalten.
Tiziana Pagano: Panzer (2009). Alle Rechte vorbehalten.

Panzer (2009)
Oil on Paper
89“ x 59,5“

Tiziana Pagano nimmt sich nicht vor, ein bestimmtes Motiv zu malen. Sie beginnt mit Flächen, beschränkt sich auf gerade geometrische Formen und schafft durch die Farbgebung Tiefe. Es geht um das Schaffen von Ebenen. Der Betrachter kann sich in Tiziana Paganos Farbraumklängen in der Tiefe hin und her bewegen, sucht den eigenen Bezugspunkt, denn Referenz wird bewusst aufgehoben. Die erkennbaren perspektivischen Bezüge sind ungewohnt, der Betrachter wird nicht durch die altbekannte Zentralperspektive in Sicherheit gewähnt. Das schafft Raum für den Betrachter, seinerseits den Raum im Bild zu definieren. Innerer Raum wird so mit äusserem Raum verbunden.

„Die Tiefe als Perspektive im Raum wird in der ungegenständlichen Malerei oft verdrängt durch die Tiefe, die das Konzept in sich birgt: eine Sinn-Tiefe.“ sagt Tiziana. Hier begibt sie sich zurück an einen Ursprung, zurück zur räumlichen Perspektive, die neu definiert wird, freigelassen wird, und ebenso zurück zu einem schulisch-methodischen Ursprung: der Farbklang ist die erste Übung, die ein Maler absolvieren muss, hier ist er noch nicht Künstler sondern erlernt ein Handwerk, ist noch nicht geformt und noch nicht in ein Schema gedrängt. Tiziana Pagano geht zurück zum Anfang, um den Raum in der Kunst zu definieren.

Der Panzer auf dem Bild ist denn auch kein Kriegsinstrument. Er schiesst zwar, aber er erschiesst nicht. Er drückt aus, und so wird der Panzer zum Hirn, wird zum menschlichen Kopf, und das Schiessen wird zum Ausdrücken. Der Ausdruck dessen was im Kopf des Menschen vor sich geht ist das eigentliche Motiv von „Panzer“: der Ausdruck an sich, als Funktion und als Raison d’être.

>> Tiziana Pagano auf saltinblu.ch

Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s