Die Milch kommt von der Kuh.

Nach langer Zeit muss ich mal wieder was loswerden. Eben lese ich, dass die ZEIT nun auch bemerkt hat, dass wir ein Volk von Essgestörten sind. Das ist schön. Denn was zusehends zum Revolverblatt der politisch gefärbten Angstmache verkam, scheint nun doch für einmal wieder einen zwar langsamen, aber doch einigermassen reflektierten Journalisten gefunden zu haben. Eine Zeitung als blindes Huhn.

Was den Artikel ganz besonders toll macht: Morbus Google. Die offizielle medizinische Bezeichnung für selbstdiagnostizierende Hypochonder. In einem Artikel über Gluten-, Laktose- und sonstige Intoleranzen, die als Merkmal der Individualität zur Konstruktion einer differenzierenden Identität verwendet werden. Hatten wir das nicht schon mal? Richtig: 2009 war’s, in Psychosomatik für Fortgeschrittene. Vor vier Jahren. Was bedeutet, dass das Problem nun Ausmasse angenommen hat, die man vor vier Jahren vielleicht erahnen konnte, die nun aber so offensichtlich sind, dass der besagte Journalist der ZEIT Wind davon bekommt. Lieber spät als nie.

Wer ist schuld an der Ernährungsmisere? Die Werbung. Der «Konsument» als Opfer. Dem «die Werbung» glutenfreie Produkte aufdrängt. Und zwar so, dass er meinen muss, sie seien gut für ihn. Und was macht das aus dem Volk? Eine Herde willenloser, willfähriger Schafe, die komplett fremdbestimmt einem modernen Koyaanisqatsi erliegen. Ach je.

Irgendwie erinnert mich das an eine andere Diskussion, die kürzlich aufbrandete: ein findiger Internetpolizist fand plötzlich heraus, dass UGG Boots aus echtem Leder sind. Was bedeutet, dass dafür Schafe geschlachtet werden. Eine Welle der Empörung brandete durch den Sozialmedienraum. Hm. Wie zur Hölle kommt jemand, der Stiefel aus Leder trägt, auf den Gedanken, sie seien nicht aus Leder? Das ist doch ungefähr so, wie wenn plötzlich ein Skandal daraus gemacht würde, dass Milch von Kühen kommt. Und nicht etwa aus dem Tetra-Pak. Das wäre mal was. Vielleicht könnten sich die ganzen Leute dann darüber aufregen. Und würden darüber ganz vergessen, dass sie Laktose, Gluten & Co nicht zu vertragen glauben. Und vielleicht müsste man ihnen auch nur verraten, dass das Meiste, was sie essen, aus der Natur kommt. Das würde wohl schon reichen, dass sie komplett auf das Essen verzichten würden. Und drei Wochen später hätten wir dann ein Problem weniger in der Gesellschaft.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Hannes sagt:

    Ist zwar ein älterer Artikel aber immer noch sehr aktuell.
    Wie wahr, wie wahr

  2. Es gibt keine Kunden, die Opfer sind. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, leider denken die wenigsten darüber nach, was sie konsumieren, und mit was sie ihren Körper ernähren. Es wäre an er Zeit, dass ein bisschen mehr Selbstbestimmung entsteht.

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