Mann trägt Bart.

Wenn man in den letzten Jahren Werbung verfolgt hat, wurde einem an allen Ecken und Enden um die Ohren gehauen, dass Männer, was Beauty und Pflege angeht, nun eigentlich Frauen sind. Ein neuer Markt ist entdeckt worden, und der wird ausgebeutet bis auf den letzten Tropfen. Wenn vor Jahren die übelsten Werbemythen sich noch darum gedreht haben, dass ein Produkt 100% mehr Glanz in die Haare bringe (was für eine himmelschreiend absurde Axiomatisierung von Ästhetik, vorher 1 Glanz, danach 2, und das in einer Zeit, wo ganze Wissenschaftszweige mit Eindeutigkeit nachweisen, dass die unserer Realität zugrunde liegenden Axiome (1 + 1 = 2) nicht haltbar sind), und wir uns Namen wie 1000 Calories Eye Lash Mascara (oder wie auch immer die Dinger heissen) antun lassen mussten, sehen wir nun total frisch aussehende Männer, die den ganzen Tag unter der Gesichtsmaske verbringen, damit sie dann sagen können «Ich erinnere mich an alles, aber man sieht es mir nicht an.». Wer sich an alles erinnert, wird wohl nicht unbedingt die Art Party gemacht haben, die man der Haut ansieht. Aber das ist Nebensache.

Wichtiger ist die Erkenntnis, dass im schleichenden Zuge der Maskulinisierung der Damenwelt Männer zunehmend femininer dargestellt werden. Metrosexuell musste man eine zeitlang sein, doch auch das ist vorbei, und jetzt kleidet man sich in Unisex-Dinger, die, nun, eigentlich, für Frauen gemacht sind und neu auch Männern angedreht werden können. Die Industrie frohlockt.

Im Umkehrschluss, um zurück auf den Bart zu kommen: Was Männer noch haben um ihre Männlichkeit unter Beweis zu stellen, kehren sie nun raus. Der Werbung konsumierende Mann trägt Pink, crèmt sich jeden Tag ein, rasiert sich mittlerweile den ganzen Körper. Und die anderen? Tragen Bart. Damit irgendwo zwischen all den Frauen auch noch Männer rumlaufen. Denn es wird eng: Im Journal of Current Biology ist dieser Tage eine Studie veröffentlicht worden, die besagt, dass Männer, welche vor der Pubertät kastriert werden, hintenraus 19 Jahre länger leben. Ein tolles Leben, muss ich mal so sagen (das nur nebenbei)! Aber einerlei: damit wird der Mann sogar seines Bartes beraubt, der im Anschluss erst gar nicht mehr wächst. Und es wird nicht lange gehen, bis die ganz degenerierten Idiotennationen der Welt auch auf diesen Zug aufspringen und das Aussterben der Männer in Kauf nehmen (weil ihre zerebrale Kapazität wiederum die Konsequenzen des eigenen Handelns frühzeitig zu erkennen verunmöglicht, wie die Geschichte noch und nöcher gezeigt hat), um ein paar Jahre länger mit Fistelstimmchen «Oh say can you see» zu trällern.

Einstweilen tragen wir aber Bart. Und das ist gut so.

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  1. SebastianK sagt:

    Die geheimen Aufzeichnungen von Aragorn, Arathorns Sohn, zum leidlichen Thema Bartstoppeln, Bärte, Orks und Königen zeigten schon damals auf, wie schwer man(n) sich tat.

    Tag 1: getötete Ringgeister: 4. Sehr gut. Hobbits getroffen. 40 Kilometer gelaufen. Ein Eichhörnchen gehäutet und gegessen. Bin immer noch nicht König.

    Tag 4: Sitze mit Hobbits auf Berg fest. Boromir nervt. Bin noch nicht König.

    Tag 6: getötete Orks: keine. Enttäuschend. Bartstoppelsituation: ich sehe wild und männlich aus. Toll! Will ständig Gimli in die Fresse treten, halte mich aber zurück. Bin immer noch nicht König.

    Tag 10: Bin in letzter Zeit nicht zum Schreiben gekommen, sehr dunkel in den Minen von Moria. Großer Balrog. Heute wieder nicht König.

    Tag 11: getötete Orks: 7. Sehr gut. Bartstoppelsituation: leicht räudig. Evtl. ist Legolas schärfer als ich. Ob er auf mich stehen würde, wenn ich König wäre?

    Tag 28: Beginne Frodo beunruhigend attraktiv zu finden. Glaube, dass Sam mich töten wird, wenn ich irgendetwas versuche . Außerdem sind haarige Füße sehr abtörnend. Bin immer noch nicht König.

    Tag 30: Sind in Lothlorien. Glaube, dass Galadriel mich anbaggern wollte. Ganz schön flotte Biene! Hatte nettes Gespräch mit Boromir, er ist gar nicht so übel. Habe geduscht, juhu! Bin aber immer noch nicht König.

    Tag 32: getötete Orks: keine. Bartstoppelsituation: leicht behaart. Legolas berichtet mir, dass ein Schatten und eine Bedrohung auf seinem Geist liegen. Ich glaube, Legolas ist ein bisschen schwul. Nö, nicht König.

    Tag 33: getötete Orks: abertausende. Sehr gut. Boromir von Orks getötet, so ein Mist. Obwohl er tapfer in meinen Armen starb, bin ich jetzt fast sicher, dass er sehr definitiv schwul war. Bei Gimli habe ich auch so meine Zweifel. RIP Boromir. Bin immer noch nicht König, aber Boromir schien zu glauben, ich sei es. Kann aber auch am hohen Blutverlust gelegen haben.

    Tag 34: Frodo nach Mordor aufgebrochen. Sagte, er ginge allein, nahm aber Sam mit. Warum? Mein Gott, sind denn alle außer mir in diesem Film schwul? Bei mir bin ich mir auch nicht mehr so sicher. Bin immer noch nicht König, verdammt noch mal! Dafür kann ich mich hinter meinem Bart verstecken!

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