Ende Juni. Folge Zehn der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

Die Gespräche um Atomwaffen des Iran drohen zu scheitern. Man verdächtigt den Iran, er arbeite an waffenfähigem Uran. Und dieser ungeheuerliche Verdacht entsteht, nachdem Dr. Ali Asghar Soltanieh bereits vor Wochen verkündet hat, die Sanktionen der UNO hätten lediglich dazu geführt, dass noch schneller am Atomprogramm gearbeitet würde. Und auf die Frage, ob im Zuge dieses Programms auch an Waffen gearbeitet würde, wird wohl von der iranischen Delegation jeweils mit „Schau mal, ein Vogel!“ geantwortet. Stell ich mir vor. Und Meir Dagan, Ex-Mossad-Chef warnt, ein Erstschlag von Israel gegen den Iran könnte den Iran eher stärken als schwächen. Cleverer Bursche, das. Aber im Grunde langweilt mich die ganze Angelegenheit einfach nur zu Tode. Übrigens wird in Israel grade die Miss Holocaust gewählt. Ich erspare mir den Kommentar. Lasst doch einfach endlich stecken.

Ach ja, und in Kabul greifen Selbstmordattentäter ein Hotel an und nehmen Geiseln. Aber keine Sorge, der Krieg ist zu Ende, kein Problem. Die Besetzung wird übrigens gleich am Tag darauf durch internationale Truppen aufgelöst. Die’s ja nicht mehr braucht weil der Krieg vorbei ist.

Auch von Pakistan gibt’s ganz Absurdes zu berichten: Die Taliban verbieten die Polio-Impfung weil sie die Agenten der WHO verdächtigen, für die USA zu spionieren, die daraufhin mit Drohnen ihre Angriffe planen. Das Schwierige dabei: das ist durchaus vorstellbar. Und dieser Umstand macht einfach nur traurig.

Bemerkung am Rande: Hat jemand noch irgendwas vom Gasleck in der Nordsee gelesen? Gerade mal zwei Wochen hat uns das interessiert.

Neues gibt’s im Merger zwischen den beiden Schweizer Unternehmen Glencore und Xstrata. Ihres Zeichens zwei der grössten Bergbauunternehmen der Welt. Die Neuigkeiten sind zwar eher wieder langweilig weil so oft schon gesehen: in der 30-Milliarden-Übernahme von Xstrata durch Glencore werden den Top-Managern Riesenprämien bezahlt, damit sie bleiben. Goldene Handschellen nennt man das. Das Ganze steht übrigens nach der Bekanntgabe dieser Prämien auch etwas wackligen Beinen. Interessant ist aber etwas ganz anderes: Glencore wurde im April diesen Jahres Kinderarbeit vorgeworfen. Xstrata hingegen stand bereits 2002 in der Kritik, als Dutzende von Minenarbeitern erkrankten weil sie Schadstoffen in 31facher Konzentration ausgesetzt waren. Und eben erst, Anfang Juni, gab es in Peru mehrere Tote bei einem Protest von Landarbeitern gegen den Konzern, weil dieser die Umwelt und ihren Lebensraum zerstört. In den Nachhaltigkeitsberichten rangiert Xstrata übrigens regelmässig ganz oben. Aber nur deswegen, weil diese Berichte nicht die tatsächlichen Umstände betrachten sondern nur ihrerseits die Berichte der Unternehmen. Na, das nenne ich mal clevere Nachhaltigkeitsberichte. Und das Ganze einen Merger der Superklasse. Zwei der dreckigsten Unternehmen der Welt schliessen sich zum globalen Bösen zusammen. Bravo.

Nachrichten gibt es aus der unglaublich mies inszenierten Euro-Schuldenkrise jeden Tag, und wirklich neu ist alles jeweils genausowenig wie spannend. Also nur ein kleiner Einblick, wie immer selbstverständlich streng selektiv: Rolf-Peter Hoenen, der Präsident des Versichererverbands meint, er würde jederzeit wieder Sparen für die Altersvorsorge. Und bemerkt im beinahe selben Atemzug, wegen der Krise würden sich a) die Zinsen verschlechtern und b) das gesparte Geld entwerten. UND weist aber darauf hin, dass man noch früher anfangen sollte, zu sparen. Damit man eben diese Entwertung finanzieren könne. Interessante Werbung für’s Sparen, nicht? Und gleichzeitig werden in Europa allenthalben die Beiträge an die Entwicklungszusammenarbeit gestrichen. Das ist natürlich logisch, denn man spart immer da zuerst, wo’s selbst am wenigsten wehtut. Fazit daraus: die Rentensparer finanzieren die Krise, und die Ärmsten der Armen gehen leer aus. So ist das eben. Wenn’s uns gut geht, dann sind wir die Helden der Welt, die alle retten, auf deren Buckel wir damals reich geworden sind. Wenn wir die ganze Knete dann verzockt haben, dann kann jeder selbst schauen wo er bleibt. Übrigens belaufen sich die Staatsschulden von Deutschland mittlerweile auf zwei Billionen Euro. Das sind zweitausend Milliarden Euro. Oder 2’000’000’000’000 Euro. Deutschland ist übrigens ein AAA-Land. Nur so zur Erinnerung. Weil zwei Billionen Schulden immer noch das Beste sind, was man kriegen kann. Offensichtlich.

Künstliche Hüftgelenke aus Metall sind gesundheitsschädigend. Wie es eigentlich alle neuen Behandlungsmethoden irgendwann werden. Hatten wir mit Röntgen, mit ganz vielen Medikamenten, mit Botox… und deswegen sollen die Implantate nun besser überwacht werden. Ich schlage vor: Chips mit GPS und ständiger Datenübertragung. Und dann werden wir in fünf Jahren herausfinden, dass die Senderstrahlung impotent macht und die Daten vom Staat gehackt werden. Und Google wird uns per Augmented Reality-Brille darauf aufmerksam machen. Schöne neue Welt.

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