Mitte Juni. Folge Neun der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

Der SPIEGEL ist Stolz darauf, dass die Deutschen die Existenz von Israel auf lange Zeit gesichert haben. Und schreibt, dass Israel die U-Boote „offenbar“ mit nuklearen Marschflugkörpern bestückten. Und das, obschon die Welt nicht weiss, ob nun Israel nukleare Waffen besitzt oder nicht. Interessant, nicht? Ja, wissen wir denn nun jetzt, dass Israel diese Waffen besitzt? Oder noch immer nicht? Und ausserdem war diese Bestückung doch DAS Thema rund um die Veröffentlichung von Grass‘ Gedicht „Was gesagt werden muss“? Ich komm grad echt nicht mehr mit. Und ich erinnere mich an den Eklat, den es gab, als man 2009 „rausfand“, dass die Schweiz Pilatus-Flugzeuge in den Sudan lieferte, die darauf ausgerichtet waren, mit Waffen verschiedenster Art bestückt zu werden. Wir lernen schon nie was.

Derweil ruft die Kandidatin für den Adorno-Preis, Judith Butler, zum Boykott gegen Israel auf. In ihrem Aufruf hält sie sich strikt an Formulierungen, die den israelischen Staat betreffen. Die Antwort aus Deutschland: ein Chor der Entrüstung über Auschwitz und Juden und so weiter, wir kennen das ja. Wieder dasselbe Thema wie damals bei Grass. Die, die hier das Judentum und Israel über denselben Kamm scheren sind das Problem und die Manifestation einer unreflektierten Vermischung von Themen. Nicht die, die die systematische Vertreibung von Palästinensern durch einen Staat kritisieren.

Und ganz nebenbei testet Russland eine atomare Langstreckenrakete aus Angst vor dem europäischen Schutzschild. Ich sag’s ja. Kalter Krieg II.

Fast nebenan töten US-Drohnen Al Qaidas Nummer Zwei. Und gleichzeitig werden Dutzende Zivilisten bei einem Selbstmordanschlag nahe eines US-Stützpunkts nahe Kandahar getötet. Aber der Krieg ist ja offiziell beendet und die Truppen können abgezogen werden. Alles gut also. Kein Grund zur Sorge. Way to go!

Übrigens ist der Aufenthalt in Afghanistan für die US-Soldaten sogar weniger gefährlich als zuhause. Dort begeht nämlich pro Tag ein Soldat Selbstmord, was deutlich mehr Tote ausmacht als die Gefallenen in Afghanistan. Man gibt sich in der Armeeleitung überrascht. Aber das hätten wir ja nicht anders erwartet. Die Gründe für die Selbstmorde: „Posttraumatischer Stress, Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten, finanzielle Probleme, sexuelle Übergriffe, Alkoholmissbrauch und häusliche Gewalt.“ Naja, auch das Leben in der Armee ist halt kein Ponyhof sondern viel eher der vielzitierte Eselstall.

Dahinsiechende Banken sollen in der EU neu von den Aktionären getragen werden und nicht mehr von den Staaten, sprich den Steuerzahlern. Wow. Das ist ja mal eine gute Idee. Darauf kommt ihr erst jetzt? Tatsächlich haben sich nun ganze drei Jahre alle Finanzexperten der Welt mit der Krise beschäftigt und diese Idee ist nie aufgekommen. Nun, von Bankern wird ja schliesslich auch keine Kreativität erwartet. Soll mir noch einer kommen mit „Thinking out of the box“. Aber echt. Naja, lieber spät als nie, was? Allerdings wird das neue Gesetz wohl erst 2014 in Kraft treten. Also dann, wenn die Show so oder so schon vorbei ist.

Google warnt seine Nutzer nun, wenn sie gefährdet sind, vom Staat gehackt zu werden. Eigentlich erübrigt sich hier jeder weitere Kommentar. Wenn wir’s nicht schon lang wüssten, wären wir spätestens jetzt sprachlos.

Ferner gibt es tolle Neuigkeiten aus der Medizin! Eine neue Krankheit für’s Volk! Genaugenommen als Nachtrag zum Mai aber dennoch so absurd, dass es Erwähnung verdient: Wer sich generell unwohl fühlt und bereits erfahren hat, dass das leider nicht auf Glutenallergie oder Laktoseintoleranz abzuschieben ist, hat einen neuen Ausweg. Haben Sie an Wochenenden einen anderen Schlafrhythmus als unter der Woche? Gratulation! Sie haben Social Jetlag. Und wenn Sie jetzt auch noch glauben, übergewichtig zu sein, dann ist das auch gleich die perfekte Ausrede! Und Diäten bringen gar nichts! Denn man hat rausgefunden, dass Diäten nicht notwendigerweise das Wohlbefinden erhöhen. Wow. Natürlich nicht! Denn dafür braucht’s immer noch Botox! Was für eine hanebüchene Ansicht aber auch! Also: spritzt euch Nervengift unter die Haut, fresst, als gäbe es kein Morgen und geht nie mehr pünktlich zur Arbeit morgens. Bestimmt wird’s dafür auch bald ein Attest geben.

Und vielleicht könnte dies auch eine Entspannung in Sachen Burn-Out sein. Wie die ZEIT schreibt, habe sich die Zahl der Burn-Out Fälle seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. Auch die konkreten Zahlen werden genannt: während 2004 im Durschnitt der Ausfall pro Jahr bei 0,6 Tagen lag, sei er mittlerweile bei rund 9 Tagen zu finden. Eine interessante Verdoppelung. Ganz im Zeichen von „Vertraue nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Und lässt wundern, wie denn Zahlen im Allgemeinen von Journalisten errechnet werden. Schreiben können heisst eben noch lange nicht rechnen können.

Psychopharmaka können zwar, haben aber einen Nebeneffekt, der nun entdeckt worden ist: Durch Ausscheidung gelangen Spuren von Antidepressiva ins Wasser. Und werden von Fischen aufgenommen, bei denen nun Anzeichen von Autismus festgestellt worden sind. Ok. Wir werden es also vermehrt mit radioaktiv verstrahlten Fischen zu tun haben mit Mägen voller Kleinstplastik, die teilnahmslos in einer Ecke des Ozeans sitzen und mit niemanden sprechen oder aber fähig sind, die exakte Anzahl von Mitgliedern eines Sardinenschwarms in Sekundenschnelle zu errechnen. Und das Beste: All das wird beim Verzehr auf den Menschen übertragen. Und ihr wollt noch Fisch essen?

Ausserdem hat man es nun geschafft, anhand des Speichels des Vaters und des Blutes der Mutter das gesamte Genom des ungeborenen Kindes zu entschlüsseln. Das ist ein grosser Fortschritt, aber auch hier: eine Büchse der Pandora. Wie viele Kinder werden nicht geboren werden, weil ein kleiner Fehler vorhanden ist? Möglicherweise wird aber ja in absehbarer Zeit diese Methode gar nicht mehr gebraucht, um vorab herauszufinden, ob ein Kind Erbschäden hat, sondern um die Qualitätskontrolle für die DNA-Programmierung vornehmen zu können. Debugging im Mutterleib sozusagen.

Und zu guter Letzt fragt man die Frage: Was hat die Fettleibigkeitskrise ausgelöst? Schon nur das Wort ist einfach unglaublich, doch das nur am Rande. Noch viel unglaublicher ist das Resultat: Wir essen zuviel Junk Food! In echt? Und das macht dick? Das ist ja eine ganz ungeheurliche Neuigkeit! Und sowas passiert uns! Und was kommt als Nächstes? Rauchen schadet und macht süchtig? Das fehlte noch.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s