Ende April. Folge Sechs der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

Die haben nun rausgekriegt, dass es Kinderarbeit in Glencore-Minen gibt. Liebe Watchdogs. Macht’s doch mal andersrum: Verdächtigt sämtliche Minen der Kinderarbeit und findet dann heraus, welche KEINE Kinder beschäftigen. Geht schneller und wird nur ganz wenige geben, die davonkommen. Und mit den Worten Hagen Rethers: Die kriegen alles raus. Als nächstes werden die rauskriegen, dass Monsanto mit Kartellpreisen Saatgut kontrolliert.

In Afrika haben Forscher ungeheure Wasserreservoire tief unter der Erde entdeckt. Namentlich in Nordafrika, in Gegenden, die von Dürre besonders heimgesucht werden. Was denkt ihr, wie schnell wird es gehen, bis Nestlé dieses Wasser fördern wird, weil niemand sonst das Geld hat, die Reservoire zu erschliessen, und anschliessend das kostbare Nass in Flaschen füllt und exklusiv verkauft? Die kündigen nämlich schon an, dass eine erwartete verbesserte Rohstoffsituation die Zahlen für’s 2012 sichern wird. Verdächtig, nicht? Möglicherweise kommt ja aber auch Google und macht das Geschäft strittig, und anschliessend kauft man in Nordafrika dann nur noch Zoogle in Flaschen. Was fast sicher ist: einfach nur so wird die afrikanische Bevölkerung dieses Wasser nicht nutzen können. Wär doch schade. Gibt ja Geld zu verdienen.

Um noch rasch bei Nestlé zu bleiben: die haben grad für 11.6 Milliarden Pfizer Nutrition gekauft. Damit ist der Konzern auch in Sachen Babynahrung wohl die Nummer Eins auf der Welt. Allerdings müssten sie sich überlegen, ins Pfizer-Paket auch gleich die kleine Blaue zu integrieren. Das wäre doch eine nachhaltige Wertschöpfungskette: Viagra für mehr Babys, die man dann auch gleich mit Nahrung versorgen kann.

Google auf der anderen Seite hat grad Anderes als Wasser in Afrika zu tun. Die stehen vor Gericht gegen Oracle, die meinen, Google habe Patentrechte verletzt. Nun, das ist ja grundsätzlich ein alter Schmu und diese ganzen Patentstreite sind eher zu alltäglichen Gewohnheit geworden. Spassig an dieser Angelegenheit: die Jury setzt sich zusammen wie immer. Also in diesem Fall beispielsweise ein Busfahrer, ein Klempner, ein Finanzberater, eine Postbotin. Die sich erstmal sechs Wochen lang anhören müssen, wie genau JAVA funktioniert. Aufgrund wovon werden die ihr Urteil fällen? „Ich habe die letzten Wochen kein Wort verstanden, aber Larry Page trägt den schöneren Anzug.“? Übrigens: sollte Oracle Recht erhalten, so würde Larry Page den Schadenersatz über rund eine Milliarde US-Dollar fast ohne mit der Wimper zu zucken aus der privaten Bordkasse berappen können. Was bei der Verhandlung rauskommt ist also fast gleichgültig. Möglicherweise wird’s einem von beiden dann auch irgendwann einfach zu blöd und in zwei Wochen lesen wir dann erstaunt, dass Google nun Oracle kauft.

US Officials heuern in Kolumbien Prostituierte an. Skandal! Die Truppe, die in Kolumbien die Vormachtstellung der USA im weltweiten Kokainhandel auf diplomatischem Weg sichert, lässt sich verführen! Ich bin sicher, die sind in ihrem Kampf nicht nur in dieser Hinsicht schwach geworden. Mal eine gepflegte Schneeballschlacht zwischen den Fronten beispielsweise. Bei einer Party mit zwanzig Prostituierten? Liegt nicht so weit, was? Aber wer mal längere Zeit in Kolumbien war, wird die Jungs verstehen. Wenig später lasen wir in der BBC, dass es bei der Untersuchung jedoch nicht darum ging, dass sich Mitglieder des Secret Service an Frauenhandel und Prostitution beteiligen. Denn das wäre ja absolut ok. Nein, die Frage ist: Haben die Prostituierten eine Wanze in der Botschaft versteckt?? Ausserdem erreichte uns ein paar Tage später dann die Nachricht, US Secret Service Agenten hätten auch in El Salvador Prostituierte in die Botschaft geholt. Was mich wirklich wundert: Haben die ganzen Länder denn wirklich nie eine Ahnung gehabt, wofür die ungeheuren Budgets ihrer Botschafter in den riesigen Villen verwendet werden? Was dachten die denn? Für Blumentöpfe und kalte Buffets oder wie?

Australien holt seine Truppen aus Afghanistan zurück. Dies zu einem Zeitpunkt, wo die News wieder voll der neuerlichen Angriffe von Taliban auf Sicherheitskräfte sind. Aber in Australien, wie auch in den USA stehen Wahlen an. Und anlässlich derer pflegt man jeweils die Soldaten nach Hause zu holen. Was im Land selbst passiert, ist da zweitrangig.

Derweil testet Indien eine Langstreckenrakete, die auch Atomsprengkörper transportieren kann. Keiner sagt da was. Nicht wie bei Nordkorea natürlich. Übrigens haben nach Angaben der BBC China, Russland, Frankreich, die USA und Grossbritannien solche Raketen. Bei Israel denkt man’s, man weiss es aber nicht genau. Wenn ich denke, wie man bei anderen Staaten loslegt, wenn man’s nicht so genau weiss… Schnell als Rekapitulation, nur damit ich mir über etwas klar werde: Israel hat eine Langstreckenrakete, Iran keine. Und Iran muss man bombardieren, weil…? Ausserdem testet als Reaktion auf Indien auch Pakistan ein Geschoss, das atomare Sprengkörper transportieren könnte. Das wäre, wenn es nicht erschreckend wäre, nur traurig. Kalter Krieg im Süden? Ist das die logische Konsequenz des wirtschaftlichen Aufstiegs?

Wie ging’s übrigens in Nordkorea weiter? Nachdem sich Seoul über die Feierlichkeiten zum Todestag von Kim Jong Il lustig gemacht hatte und kritisiert hatte, dass das Geld für den misslungenen Raketenstart für die hungernde Bevölkerung hätte eingesetzt werden können, droht Nordkorea nun, man könne Seoul innert Minuten in Schutt und Asche legen. Und nun hätte man eine vergleichbare Situation wie bei Iran vs. Israel. Seid ihr auch schon so gespannt?

Und wenn wir’s schon davon haben: Kairo kündigt die Gaslieferungen nach Israel. Was zu einem kritischen Engpass führen könnte. Ich empfehle einen Präventivangriff. Das scheint die patenteste Lösung zu sein, wenn es um israelische Meinungsverschiedenheiten geht. Oder Mauern bauen. Das macht man nun gegen Norden hin. Zehn Meter hoch soll die neue Mauer sein und Israel vor dem Libanon schützen. Eine Nation spielt verrückt. Und der Rest der Welt? Schaut zu und fliegt per Easy Jet nach Tel Aviv. Und wundert sich, wenn die Lieben in den Ferien in Israel in die Nähe von explodierenden Bomben kommen. Fliegt doch nach Libyen. Oder nach Afghanistan. Da ist es auch total schön, sagt man.

Und indessen lässt der deutsche Unionsfraktionsvorsitzende der CDU Volker Kauder an der Islamkonferenz verlautbaren, der Islam sei kein Teil Deutschlands. Muslime würden aber selbstverständlich als Staatsbürger akzeptiert, versucht er sich anschliessend zu retten. Nun, das Land mit der zweitgrössten türkischen Stadt tut auch besser daran, diesen Teil der Bevölkerung zu akzeptieren. Und der Rest wundert nicht wirklich: Deutschland hatte schon immer gewisse Probleme, „fremde“ Religionen in die eigene Tradition einzubinden. Auch wenn man diesbezüglich mittlerweile so viel aus der Geschichte gelernt hat, dass man die einst Verfolgten nun in ihrem eigenen Genozid unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung unterstützt und zu diesem Zweck kräftig mit Waffen beliefert.

Ach und die Forschung hat rausgefunden, dass, wer glücklich ist, weniger Herzprobleme hat. Das ist ja sogar schon sprachtechnisch eine offenkundige Erkenntnis. Ich muss noch einmal auf das Zukunftsmodell für Finnland zurückkommen: Gruppensexparties mit ambulanten Botoxstationen! Vielleicht sollte man die Parties noch erweitern, um Finanzseminare: an der University of Essex hat man rausgefunden, dass, wer mit Geld umgehen kann, glücklicher ist. Sprich: weniger Schulden, weniger Stress. Das nenne ich auch mal eine bahnbrechende Erkenntnis. Wow.

Morgen ist Tag der Arbeit. Da gibt’s überall in Europa wieder Panem et Circenses. Wie früher: Kolosseum drumrum und dann wird das ein Heidenspektakel für Jung und Alt. Weil, um Politisches geht’s da schon lang nicht mehr. Nur um’s Krieg spielen. Ich wünsche viel Vergnügen.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sebastian sagt:

    Im logischen Umkehrschluss muss man ja sich fast schon eingestehen, dass – nach sechs schön-luziden Folgen – unwichtige Absurditäten sich mit gefährlichen und absurden Wichtigkeiten vermischen. Dabei wird klar, dass, wenn nichts stimmt, dann stimmt es meistens immer.

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