Ende März. Folge Vier der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

Männliche Fruchtfliegen trinken Alkohol wenn sie keinen Sex kriegen. Und in England steigen derweil die Todesfälle aufgrund von Leberschäden. Bei denjenigen Todesfällen, die ihre Ursache in schwerem Alkoholismus haben, gehören zu den Opfern vorwiegend Männer. Keine weiteren Fragen. Allerdings weiss eine Studie, dass in Hungerzeiten mehr Frauen zur Welt kommen. Und schliesst daraus, dass Frauen wohl genügsamer sind. Eher wahrscheinlich finde ich, dass in Krisenzeiten Frauen wohl einfach der bessere evolutionäre Wetteinsatz sind, wenn es um Arterhaltung geht. Wobei dann wiederum Polygynie, zumindest aus darwinistischer Sicht, durchaus salonfähig wird, und nicht nur das: überlebenswichtig. Hungern gegen Alkoholismus?

Hingegen hat die Medizin nun herausgefunden, warum die Elektroschocks, die in der Therapie von Depressionen seit mehr als einem halben Jahrhundert eingesetzt werden, eigentlich wirken. Und das macht Lust auf Ersatztherapien, die nicht ganz so heftig sind. Unter anderem hoch im Kurs: Psilocybin. Überhaupt fällt auf, dass Drogen in der Medizin immer mehr Stellenwert erhalten. Anfang März war’s LSD gegen Alkoholismus. Obwohl wir ja nun wissen, dass mehr Sex dort vielleicht auch helfen könnte. Und nun Pilze gegen Depressionen. Vielleicht könnte man doch auch wieder Opium gegen ADHS einsetzen? Das half früher gegen Neurasthenie ganz fabelhaft. Und im übrigen ebenfalls gegen Depression. Obwohl – auch Ritalin wird ja bereits als Droge gehandelt. Da muss man dann vielleicht gar nicht weitersuchen. Zu Depression machen sich auch die Finnen Gedanken. Die haben in einer Studie herausgefunden, dass Menschen, die alleine leben, öfter Depressionen haben. Das ist ja nun mal wieder eine unglaublich bahnbrechende Einsicht. Und bringt mich auf den Gedanken, dass sich gerade in Finnland nun ganz neue Wege anbieten, im Rundumschlag alle Probleme in den Griff zu kriegen: Swinger-WGs mit Drogenexzessparties und integrierter Botoxbehandlung wären DIE Lösung für Alkoholismus und Depression.

Täglich ein Aspirin beugt Krebs vor, weiss eine Studie zu berichten. Und fördert ganz nebenbei das gepflegte Magengeschwür. Denn in den ersten Jahren ist das Risiko von inneren Blutungen stark erhöht. Heisst also im Klartext: Wer nach den ersten fünf Jahren der Therapie nicht an inneren Blutungen stirbt, wird dafür später weniger Krebs haben. Was ist denn das nun wieder für ein Mumpitz? Braucht Bayer eine Finanzspritze? Man hätte sich doch einfach wieder eine Schweinegrippe ausdenken können. Das half damals Roche ganz gut über die Krise hinweg. Und nach den Trends der letzten Nachrichten frage ich mich, ob’s denn vielleicht nicht was gegen Krebs gibt, was den Magen schont und dabei auch noch lustige Halluzinationen auslöst? Dann wär der Cocktail eigentlich perfekt.

Ganz grundsätzlich allerdings: ein bisschen Dreck in der Kindheit schadet nicht. Schön dass das endlich seinen Weg in die öffentliche Meinung findet. Dass Allergien und andere Zivilisationskrankheiten erst mit der Erfindung der Schmutz- und Keimparanoia aufgetreten sind, hätte man allerdings auch schon früher merken können.

Internationaler Tag des Wassers war auch. Und in diesem Zuge gab’s auch einige Gipfel. Wo man darüber diskutierte, dass jedes Jahr 3.5 Millionen Menschen sterben wegen schlechter Wasserqualität. Das Thema Wasser sei zwar stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Allerdings stünden teilweise wichtige Informationen nicht zur Verfügung. Fragt doch mal Nestlé. Oder macht dort eine Hausdurchsuchung wie bei Blocher. Aber versucht dann bitte, die Durchsuchung nicht vorher anzukündigen. Die macht dann nämlich nur noch halb so viel Spass.

Neues gibt’s auch bei Apple. Die eröffnen Pläne, Geld loszuwerden. Nicht etwa um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die seien ja gar nicht so schlecht, denn was darüber gesagt wird sei ja Gott sei Dank alles gelogen. Nein, man will damit die eigenen Aktien zurück. Vorerst. Blöderweise machen die letzten Meldungen dem Ganzen nun vielleicht doch einen kleinen Strich durch die Rechnung. Denn die Untersuchung bei Foxconn wurde endlich veröffentlicht. Und die zeigt, dass eben alles doch nicht ganz so gelogen ist. Um die Arbeitsbedingungen immerhin so weit anzupassen, dass Apple nicht komplett das Gesicht verliert, müssten Tausende neue Arbeiter angestellt werden. Vielleicht finden die 96 Milliarden in Cash nun doch einen Abnehmer. Freuen wir uns aber nicht zu früh: Sobald die Medien das Interesse verloren haben, wird sich auch niemand mehr darum kümmern, was bei Foxconn abgeht. Oder das iPhone 5 wird einfach deutlich teurer. Und nicht vergessen: die Ergebnisse der Studie sind, aller Brisanz zum Trotz, bloss, Empfehlungen.

Um Arbeitsbedingungen geht’s wohl auch bei H&M. Die hatten ein Rekordquartal, welches nur dadurch gebremst wurde, dass Mehrkosten entstanden, die nicht an die Kundschaft weiter gegeben wurden. Und wenn irgendwo in der Wertschöpfungskette auch nur ein Glied korrekt bezahlt würde, könnte man wohl gleich den ganzen Laden schliessen.

Dass in der Nordsee bei Total ein Gasleck entdeckt wurde, von dem man anfangs annahm, dass die Behebung Tage oder Wochen dauert war eher eine Nachricht aus der Kategorie Ferner liefen. Dass man mittlerweile die Dauer der Katastrophe auf ein halbes Jahr hochkorrigiert, wird zur medialen Gewohnheit. Das machte auch BP im Golf von Mexico. Und Japan in Fukushima. Mich wundert, dass die Welt den ersten Schätzungen immer noch glaubt. Nun, nein, eigentlich wundert es mich nicht. Neu ist aber, in solchen Fällen darauf zu bauen, dass sich die Probleme von selbst lösen. Na, das ist doch eine schöne Welt, oder?

Streichelkurs gilt auch für die Schätzung von US-Katastrophenschutzexperten zu einem Atomangriff auf Washington. Ob bei einem Selbigen wohl tatsächlich lediglich 45’000 Menschen sterben würden? Schön hingegen ist die Aussage, dass ein solcher Atomangriff „nicht das Ende der Welt“ bedeuten würde. Nein, wohl nicht. Das sind bloss die USA. Ein Schwellenland mit nurmehr künstlich aufgeblähter Brust, auf der ein etwas verwaschener Coca Cola-Schriftzug prangt. Vielleicht würde man danach herausfinden, dass die Welt auch ohne Anführer frei ist. Oder einfach genauso frei wie bisher. Viel eher zum Ende der Welt würde wohl der geplante Angriff von Israel gegen den Iran führen. Obwohl man mittlerweile nicht mehr so sicher ist, ob ein solcher Angriff die Atomwaffenproduktion stoppen würde. Meine Meinung: Stoppen würde er ihn ganz sicher nicht. Höchstens zurückwerfen. Und dem Iran ganz deutlich signalisieren, dass man im Eilzugtempo die Produktion wieder aufnehmen muss, um sich gegen Israel zu wehren. Weil die eine substantielle Bedrohung darstellen. Tja. So entstehen Weltkriege. Angst. Gegenangst. Das kennen wir aus dem Tierreich, nicht?

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