Der Februar. Eine weitere Folge der höchst selektiven Zusammenstellung von Ereignissen der Welt.

Irgendwie scheint mir die Welt immer absurder zu werden. Vielleicht ist das ein Wahrnehmungsproblem. Aber möglicherweise ist sogar was dran. Wir werden sehen. Was war im Februar?

Meine Lieblingsheadline: Fünf Orcas klagen SeaWorld der Sklaverei an. Ob sie die Anklage selbst unterschrieben haben, weiss man nicht so genau. Und ob als Richter ein Pavian eingesetzt wird, darüber schweigt BBC. Aber demnächst wird wohl der Weltverband der roten Thunfische Japan des Genozids beschuldigen. Wenn er Recht bekommt, wird man ihm, einem Volk, das weitgehend in der maritimen Diaspora lebt, einen Heimatstaat zuweisen, vielleicht im Pazifik. Wo die Thunfische sofort beginnen werden, ihrerseits den Genozid an allen Nachbarvölkern anzustreben. Angesichts der geschichtlichen Ereignisse wird man das tolerieren und auch Easyjet wird bald Flüge dahin anbieten. Doch wahrscheinlicher ist, dass sie den Gerichtsfall verlieren, da Japan mit dem übrig gebliebenen Geld aus der weltweiten Fukushima-Spendenaktion die besseren Anwälte bezahlen können wird.

Wenn wir schon beim Thema Sklaverei sind: In Mittelamerika rätselt man über das Nierenversagen von Tausenden von Arbeitern in den Zuckerrohrplantagen, die Tag für Tag ohne Schutzmaske Pestiziden und Herbiziden ausgesetzt sind. Mein Vorschlag: fragt doch mal Monsanto. Die wissen sicher was. Oder vielleicht weiss man bei Nestlé Rat? Deren Ergebnis war besser als erwartet. Dies vor allem durch den Marktzuwachs in Schwellenländern. Der Verkauf von Wasser ist eben einfach krisenresistent.  Darüber könnte man eigentlich vergessen, dass 500 Millionen Kinder auf der Welt unterernährt sind. Oder dass ein neuer Damm in Brasilien ganze Völker ihres Lebensraums und ihrer Existenz berauben wird. Vielleicht kann man sich jetzt schnell hinter die Ohren schreiben, was man diesen Menschen antut, damit man dann später nicht so überrascht sein muss, wenn sich das Blatt gegen einen wendet. Und vielleicht lesen wir dann vielleicht nicht in den Medien, dass beispielsweise in Kolumbien bereits zwei Attacken gegen Polizisten gegeben hat. Zwei. Hat in den ganzen Jahrzehnten des Bürgerkriegs wirklich niemand mitgezählt?

Derweil wundert man sich, dass die libyschen Rebellen eine Gefahr für die Stabilität sind. Na, was dachtet ihr denn? Rebellen bewaffnen, die Regierung stürzen lassen und dann ist alles gut? Das hat ja immer schon hervorragend funktioniert. Eben zum Beispiel in Kolumbien. In Afghanistan. Oder im Irak. Dürfen ganze Staaten eigentlich so dermassen naiv sein?

Weil das aber offenbar doch ein Grund zur Sorge ist, stockt die Schweizer Armee das Budget auf. Ich gehe einmal davon aus, dass das geschieht, um die Staatskasse der USA zu retten, weil auch die Schweiz sich nun an den multinationalen Kriegen beteiligen kann. Und wohl brauchen wir auch deswegen neue Kampfflugzeuge. Obschon angesichts der Sinnlosigkeit dieses Kaufs die Frage aufkommt, ob wir es hier nicht mit einem Wulff im Maurerpelz zu tun haben.

Dafür lässt Apple nun die Fabriken untersuchen, wo ihre Produkte gefertigt werden. Es bestünde Verdacht auf menschenunwürdige Bedingungen. Ich könnte schwören, das wurde bereits untersucht und publiziert. Und zwar im Januar. Soviel zum Thema „Und was unternehmen wir jetzt?“. Während dessen ist publik geworden, dass Social Apps Kontaktdaten speichern: Twitter hat zugegeben, dass das Adressbuch eines Benutzers in einer Datenbank gespeichert wird, wenn er das Feature „Find friends on Twitter“ verwendet  und akzeptiert, dass Twitter damit Zugriff auf das Adressbuch hat. Das ist doch mal wirklich eine Überraschung! Social Media Plattformen sind interessiert an Userdaten? Wirklich?? Na, wo kommen wir denn da hin! Demnächst finden die heraus, dass Facebook mit Daten Geld verdienen, indem sie benutzerdefinierte Werbung verkaufen, man stelle sich das vor!

An anderer Front wird’s noch viel gläserner: Die Wissenschaft kann nun Gedanken lesen. Und Ersatzteile für Menschen lassen sich ganz einfach ausdrucken. Solche Geschichten hatten wir doch schon mal. Damals nannte man die aber Science Fiction und keiner wollte so recht daran glauben.

Übrigens ist nun ausserdem klar, dass Botox möglicherweise doch nicht so gut gegen Migräne ist wie man anfänglich angenommen hatte. Diejenigen, denen Botox ursprünglich geholfen hatte, sollten sich vielleicht Gedanken machen, warum ihnen ein paar Fältchen im Gesicht so viel Sorgen machen, dass sie ein psychosomatisches Leiden entwickeln. Einfach mal andersrum ansehen, die Dinge. Kann helfen. Aber Vorsicht: gesunder Menschenverstand ist eine mögliche Nebenwirkung.

Wenn man noch keine Migräne hat, dann sollte man sich mindestens darauf achten, herumzurennen. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Menschen, die langsam gehen, wahrscheinlich im Alter dement werden. Soll man nun im Allgemeinen schneller gehen? Mehr Stress im Alltag! Lieber Burnout als dement, oder? Da muss man doch auf jeden Fall schauen, dass man gut krankenversichert ist. Wenn man damit kein religiöses Problem hat. Denn das ist grad ein brennendes Thema in den USA, wo tausende fanatische Gottgläubige sich nicht mehr versichern lassen können, weil die Krankenkassen nun Verhütung bezahlen. Ja bravo!

Zu guter Letzt gibt es Neuigkeiten aus der deutschen Sprache: Ein Slogan hat sich zum Präzedenzfall entwickelt. Oder zumindest zum Symptom. Ich spreche nicht von Schlecker. Sondern von der Sprachverarmung „So muss Elektronik“ von Saturn, die offensichtlich einen sprachlichen Erdrutsch einläutet. Die neuste Ausgeburt televisierter Idiotie: „Ich kann Kanzler„. Und gleich anschliessend im selben Werbeblock: „Wer traut sich jetzt noch Präsident?„. Nun, wenn es mit der deutschen Politik so weit wie mit der deutschen Sprache ist, kann jeder Kanzler, und jeder dürfte sich Präsident trauen. Meine Meinung. Das ist SMS-Generation. Das ist Zeitgeistdeutsch. Bin ich anachronistisch wenn ich mich ob der Verrohung des Weltgeschehens nicht mal mehr an den Kopf fasse?

In diesem Sinne: mich spannt März. Einen schönen Monat wünsche ich!

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