Saint Steve: der Heiland der digitalen Neuzeit.

ER ist von uns gegangen. Und gleich quellen alle Social Media Plattformen über mit Statements von Jüngern. Die Testimonials in der BBC überschlagen sich gegenseitig. Das soll so sein, Steve Jobs ist eine der schillerndsten Figuren unserer Zeit. Ist. Weil eine Figur. Die bleibt.

Irgendwo in google+ wurde S.J. mit Leonardo da Vinci verglichen. Das finde ich dann doch etwas verfehlt. Steve Jobs hat die ganzen Gimmicks nicht erfunden. S.J. war ein Verkäufer. Einer mit dem ganz grossen Charisma und dem Nimbus des unerreichbaren, legendären, dafür hat er zu Lebzeiten auch immer gesorgt. Ein schwarzer Pulli und eine Jeans pro Tag. Immer dieselben. Immer fabrikneu. Weil er gewaschene Kleider nicht anziehen mochte. Sagt man. Und irgendwer wird das Gerücht genährt haben.

Ein paar ganz findige Kultkonzepte hat er sich aus dem Ärmel geschüttelt. Beispielsweise den Midnight Sale. Obschon er den nicht erfunden hat. Das waren angeblich die Damen und Herren von Carlsen anlässlich der Vermarktung von Harry Potter. Also nur geschickt erkannt und wiederverwertet.

Montiert hat er seine Geräte auch nicht. Das machen immer noch die Fronarbeiter von Foxconn, die sich dabei auch gleich reihenweise selbst umbringen, weil sie angeschrien und geschlagen werden. Aber shiny new iPhone hat sich dafür nie interessiert. Und shiny ol‘ Steve offensichtlich auch nicht besonders.

Die Apple-Ideologie wurde zur Bibel. Der Mac zur Kirche. Cupertino zum Vatikan. Das iPhone zum sakralen Medium. Und Steve Jobs zu Jesus Christus. Denn wenn er eines geschafft hat, dann war es dies: die Gründung einer fast religiösen Bewegung. Die Erfindung der ideologischen Superdroge: nimmst du es einmal, willst du nie mehr ohne. Als Christus der digitalen Neuzeit wird er in die Geschichte eingehen. Und ob man nun Christus mag oder Apple oder nicht – den Platz hat er verdient. Denn mindestens Eines in seiner Lehre zeugt von der positiven Kraft: Lebe nie das Leben eines anderen. Mach was du willst, mach was du für richtig hältst, und mach es richtig. Nur, dass, wie bei den meisten Religionen, seine Jüngerinnen und Jünger das wieder einmal komplett falsch verstanden haben und sich mit der Individualität eines Massenprodukts identifizierten. Und sich dadurch abhoben, dass sie der Masse folgten. Aber, hey, das muss man bestimmt nicht Steve Jobs vorwerfen. Er hat immer bloss die Möglichkeiten ausgeschöpft.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s