Die unerträgliche Borniertheit des Herrn S.

Herr Somm, ich mag nicht mit Ihnen über die sogenannten „Krawalle“ diskutieren. Man kann darüber denken, was man will. Wo die Gründe liegen, die wirklichen, worauf die Probleme dieser Generation fussen, das würden Sie wohl nicht verstehen wollen. Denn Ihr Urteil ist gemacht, und davon lassen Sie sich vor dem Hintergrund Ihrer schwarzweissroten politischen Gesinnung auch nicht abbringen. Ganz getreu der Plakatkampagne Ihrer Zeitung: „Steigern Sie das Niveau Ihrer Vorurteile“. Schön wäre es, wenn Ihre Leser dazu animiert würden, Vorurteile abzubauen. Nicht, Ihre Vorurteile zu übernehmen. Aber das ist ein anderes Thema. Übrigens, ja, ich bin mir bewusst, dass Sie nur „SVP-nahe“ sind. Ich erlaube mir trotzdem, die SVP als „Ihre“ Partei zu bezeichnen. Das werden Sie verstehen.

Auffällig ist, welches Bild Sie in Ihrer Stellungnahme zeichnen. Es gibt keinen Krieg mehr in der Schweiz – wollen Sie wirklich einen Krieg, damit es der Jugend nicht mehr langweilig ist? Weil Sie ausserdem nicht in Dialog treten wollen, denken Sie auch, dass man heute bis 35 zuhause lebt. Herr Somm, das gilt vielleicht für Wähler Ihrer Partei. Aber ansonsten ist es lediglich ein Vorurteil. Und notabene keines auf hohem Niveau.

Wurden Sie in den 80ern enterbt? Wären Sie gerne enterbt worden? Würden Sie Ihre Kinder enterben? Und denken Sie wirklich, Widerstand würde den Widerstand aufheben? So einfach ist das, repressiv durchgreifen und das Problem ist gelöst? Wo leben Sie?

Herr Somm, es ist Wahlkampf, das ist mir bewusst. Und Sie betreiben Propaganda. Ganz im Stil Ihrer Partei (derjenigen, der Sie nur „nahe“ sind). Seit Sie die Diktatur bei der BaZ angetreten haben, haben Sie schrittweise alle Freidenker entweder entlassen oder diese sind selbst gegangen. Jeden Tag erwarte ich, wenn ich die BaZ am Kiosk von weitem sehe, eine Titelseite mit der neusten Xenophobiekampagne in Cartoonstil. 14’000 Leser sind seit Ihrem Amtsantritt verloren gegangen. All dies entspricht wohl Ihrem grossen Plan.

Aber denken Sie nicht, dass diese Übernahme der Massenmedien und diese Neubespielung derselben mit hetzerischen und angstverbreitenden Vorurteilskampagnen in den Köpfen nicht mehr mit der durchaus wirksamen Propaganda im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs verbunden wird, dem Sie ja in Ihrem Artikel nachtrauern. Wenigstens nicht bei denen, die nicht mehr zu Ihren Schreibern und Lesern gehören, weil sie noch imstande sind, selbst zu denken. Wehret den Anfängen.

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