Wie es zum Schwimmbad Dreirosen kam.

Wenn man auf der Kleinbasler Seite auf der Dreirosenbrücke steht, zwischen dem rostroten Uhrtürmchen des alten Schulhauses und der himmelragenden Chemiebauscheusslichkeit, blickt man rechter Hand hinunter auf die blaue Fläche des Basketballplatzes im Dreirosenpark. Am Geländer der Brücke, ohne sich anzulehnen, die Hände leicht auf die Reling gelegt, steht ein Mann, ohne nennenswerte Eigenschaften, mit einem leichten, gläsernen Lächeln auf den Lippen, die Augen auf den Platz unter ihm gerichtet, aber er blickt durch ihn hindurch, ins Nichts und ins Alles, in weite Ferne.

Auf dem Platz spielen drei junge Männer Basketball. Ohne viel Aufhebens, ohne viel Aufsehen, kaum ein Wort wird gewechselt, das Spiel ist eingespielt, sie sind nicht zum ersten Mal hier. Sie halten inne und blicken hinauf zur Brücke, bemerken den Mann, der sich hinaufstemmt auf das Geländer, sich hinstellt, umdreht mit dem Rücken zum Platz und die Arme ausbreitet, er wird doch nicht…?

Und bereits setzt er an, springt in perfekter Manier SaltoSchraubeSalto. Er landet perfekt, taucht in die blaue Fläche ein fast komplett ohne Spritzer. Die Basketballer erstarren einen Moment, alles geht so schnell, dass sie gar nicht reagieren können und nun bemerken sie, dass unter ihnen Wasser ist, für den Bruchteil einer Sekunde stehen sie zeichentrickfilmhaft auf der Oberfläche, dann versinken sie, den Gesetzen der Physik gehorchend.

Sie tauchen wieder auf, Unglauben, fast Entsetzen auf den Gesichtern, reiben sich das Wasser aus den Augen, am Rand des Schwimmbeckens rennen Kinder in Badehosen, ein Sprungbrett ist da, keine Basketballkörbe, warum auch, denn das würde nun wirklich überhaupt keinen Sinn machen. Konsterniert schauen sie sich gegenseitig an, blicken kurz an sich herunter, doch was soll da anderes sein als Badehosen? Und betreten formulieren sie still ein jeder dieselbe Frage, die seltsam klingt, unsicher jetzt ob der seltsamen Vision eines Basketballplatzes, doch keiner traut sich, etwas zu sagen, zu absurd ist der Gedanke der in allen drei Köpfen ist. Und was ist, wenn ich nun nicht recht habe? Vielleicht bin ich ein bisschen wahnsinnig? Hier ist offensichtlich ein Schwimmbad. Oder?

Wortlos bewegen sie sich zum Beckenrand, fast beschämt, ziehen sich hoch, begeben sich zu ihren Sachen, neben den Badetüchern die Sportkleider und Basketballschuhe, und sie setzen sich in die Sonne, noch immer ein wenig benommen, aber bereits verschwimmt, verebbt, vernebelt sich das Bild. Und wenige Minuten später ist nicht mehr der Basketballplatz die Erinnerung, sondern ein seltsames Gefühl, das gerade eben noch da war und langsam nachlässt, wie der Punkt auf der Netzhaut nachdem man direkt ins Licht geblickt hat. Alles ist so wie es sein muss, warum auch nicht? Es gibt Dinge, die nicht möglich sind, und deswegen sind sie nicht. Und niemand weiss, wie viele dieser Dinge passieren, in Basel, auf der Welt, jeden Tag.

Am gegenüberliegenden Ende des Schwimmbeckens, ungesehen unbemerkt, stemmt sich ein Mann ohne nennenswerte Eigenschaften aus dem Wasser auf den Beckenrand. Ohne sich umzusehen geht er einige Schritte und dreht sich dann um. Auf seinem Gesicht spielt ein kleines Lächeln. Seine Augen leuchten. Alles ist gut.

 

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