Psychosomatik für Fortgeschrittene IV: Der Geist und der Körper

Die Angewohnheit, Körper und Geist als zwei getrennte Einheiten anzusehen, ist kulturell bedingt. Das stammt von einer generellen Weise, die Dinge zu betrachten. Gut oder Böse, Himmel oder Hölle, Schuld oder Sühne, Stones oder Beatles, Basel oder Zürich – ich schweife ab. Was bleibt: abendländischer Bipolaritätswahn. Wir haben es nicht anders gelernt, wir können es nicht anders, es gibt immer das Eine oder das Andere und beide sind voneinander getrennt.

Deswegen tut sich die Schulmedizin auch schwer, Psychosomatik anzuerkennen. Weil es schwierig ist, das Geistige zu diagnostizieren. Vor allem dann, wenn körperliche Symptome die freie Sicht auf den Geist verstellen. Würden wir erkennen, dass zwischen Geist und Körper kein Unterschied ist, dann wären wir einen grossen Schritt weiter. Immerhin gibt es den Körper ohne den Geist nicht (ausser in ganz wenigen Fällen, die dann beispielsweise bei big brother auftreten, ich scherze), und umgekehrt auch nicht, und genausowenig kann der Himmel ohne die Hölle existieren, das Gut ohne das Böse.

In Zeiten des Strebens nach Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit sollten wir also möglicherweise bei uns selbst anfangen. Und beginnen, uns ganzheitlicher zu betrachten. Wenn es keinen Unterschied zwischen Geist und Körper gibt, was liegt dann näher, als bei körperlichen Problemen die Antwort beim Motor, beim Geist zu suchen? Vor allem, wenn wir ja sogar wissen, dass andere Kulturen dies mit Erfolg und schon lange tun? Doch das Einzige, was uns einfällt, wenn wir hören, dass ein Mensch von einem für uns unheilbaren Leiden durch Meditation, durch fernöstliche Heilpraktiken, durch Zauberei, was immer man will, befreit wurde, ist, hinzugehen und die „Scharlatane“ zu entlarven, mit stolzgeschwellter Brust, weil wir doch die Klügeren sind. Und dabei ganz vergessen, dass die Therapie tatsächlich geholfen hat.

Nicht ohne Grund nennt man die Klassiker aus Teil III gerne auch mal Zivilisationskrankheiten. Das hat nichts damit zu tun, dass wir zivilisierter sein sollen als andere Gesellschaften, bei welchen diese Krankheiten nicht auftreten (und die gibt es). Sondern damit, dass unsere Ausprägung der Zivilisation sich verrannt hat, in die Wissenschaft, in die Bipolarität, in die Bigotterie. Und damit – wenn man „zivilisiert“ dann schon komparativ verwenden will – müsste man sich fragen: wer ist denn weiter? Die, in deren Weltbild Geistheilung keinen Platz hat, oder die, die damit Erfolge erzielen?

>> Psychosomatik für Fortgeschrittene I

>> Psychosomatik für Fortgeschrittene II: Das Schicksal

>> Psychosomatik für Fortgeschrittene III: Die Klassiker

 

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. NetterOnkel sagt:

    Natürlich kennt die Schulmedizin Psychosomatik, das Unispital Basel hat sogar ein Institut, das sich um nichts anderes kümmert: http://www.psychosomatik-basel.ch/

    Die Schulmedizin kümmert sich auch um den „Geist“, indem sie Schmerzen lindert und Symptome bekämpft, die einen Patienten seelisch schwächen, damit er eben wieder gesund wir oder wenigstens ein erträgliches Leben führen kann. Das ist eben nicht bloss Symptombekämpfung, wie es die Komplementären vom diesem Sonntag behaupten.

    1. istwasesist sagt:

      Natürlich kennt die Schulmedizin Psychosomatik, lieber Netter Onkel. Und ich schreibe ja: sie tut sich schwer, sie anzuerkennen. In vielerlei Hinsicht. Ich erwarte von keinem Schulmediziner, dass er die Ursachen eines Beinbruchs im Geist sucht. Ich sage nur, dass andere Gesellschaften dies tun. Und damit Erfolg haben. Auch ich bediene mich der Schulmedizin. Aber ich bin mir bewusst, dass dies eben nur Symptombekämpfung ist. Wenn Schmerzen gelindert werden, dann hilft dies dem Geist nur soviel, als dass er auf einer bereits beeinträchtigten Basis weiter funktionieren kann. Die Ursache ist damit aber nicht bekämpft.

  2. Heilerschule sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag. Werde in Zukunft öfter diesen Blog besuchen.Ich denke, es wäre dennoch grundsätzlich vernünftiger, wenn wir einfach akzeptieren, dass zu diesen Themen kontroverse Meinungen existieren. Ich reiche Ihnen die Hand und würde mich sehr freuen, wenn wir uns weiterhin auf hohem Niveau mit anderen zu diesen Themen austauschen könnten.

    Herzliche Grüße

    die Heilerschule

    PS: Würde mich auch über einen Besuch und Eitnrag in unserem Gästebuch ebenfalls sehr freuen unter Geistges Heilen .

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