Lieblingskreuzung

Gestern an meiner Lieblingskreuzung. Der Penner, der sonst auf der Bank sitzt und Radio hört ist nicht da. Nur seine Habe liegt unbewacht, und das kleine Taschenradio plärrt vor sich hin. Ein Polizeiauto hält an der Stopstrasse, ein Beamter steigt aus und stellt das Radio leiser. Nicht aus. Und die Habe stört auch nicht. Sie kennen ihn ja, den Penner von meiner Lieblingskreuzung.

Letztens gabs auch was Schönes: ein Auto steht im Parkverbot vor einer der gammligen Wirtschaften an meiner Lieblingskreuzung. Das Polizeiauto hält an, und eine Beamtin steigt aus, um einen Strafzettel zu schreiben. Aus der Wirtschaft stürzt ein schlacksiger Mann mit langen fettigen Haaren und lallt: „Ich fahr gleich weg.“ Es ist zehn Uhr morgens. Im Wegfahren sehe ich nur noch, wie die Polizistin ihre linke Augenbraue hochzieht.

Der Friseurladen an meiner Lieblingskreuzung hat neuerdings ein Schild im Fenster hängen: „Haarentfernung nur am Montag“. Den Rest der Woche sind sie wohl ausgebucht mit Extensions. Oder mit Mêches. Weshalb müssen Frauen mit dunkelblonden Haaren eigentlich als Streifenhörnchen rumlaufen? Das hat sich mittlerweile ja schon fast so stark eingebürgert wie die violette Strähne im neuerdings kurzen Haar von mittelalterlich pummeligen Damen, die den Ausdruckstanz für sich entdeckt haben („Steht Dir total gut. So jugendlich und frisch“ – „Ja ich dachte, ich probier mal was Freches“). Uff. Dann doch noch lieber montags zum Friseur an meiner Lieblingskreuzung und dem haarigen Elend ein Ende machen.

 

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