Fels in der Brandung

Grenzstein, Mittler, Mittel zwischen Festem und Flüssigem, Macht und Ohnmacht, Beherrschung und Verlorenheit. Von der einen Seite reizvoller Blick in schäumende Abgründe voll Gischt und Chaos, Wachturm und Bastion vor dem Ungesehenen, Geahnten, Gefürchteten. Auf ihm steht der Schaulustige, der Gaffer, der, durch die vorgestellte Gefahr angelockt, nach dem Ungeordneten, dem Heillosen trachtet, nach dem Ausweg, wenn auch nur erdacht, aus seiner öden Existenz. Von der anderen Seite ein Versprechen, eine Hoffnung, rettungverheissend und tödliches Urteil zugleich, ewig anziehend wie das Licht für die Motte, und doch verbrennt sie daran nur ihre Flügel und wir zerschmettern unsere Glieder, oder erreichen den Fels und klammern uns fest, unfähig, uns zu bewegen, weder vor noch zurück, und dennoch können wir nicht mehr loslassen: eine Falle in sich selbst.

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  1. anna sagt:

    Vor dem Abgrund steht ein trauriges Mädchen und denkt sich, während sie in die Tiefe zu blicken versucht und an ihren Fingern kaut, wo denn nun das Chaos sein soll, wo die Gischt und der Schaum. In ihrem ahnungslosen Blick widerspiegelt sich ein schwarzes Nichts oder Etwas, unendlich weit und warm und sie hat keine Furcht. Sie erinnert sich – und dabei richtet sie ihren Blick nach vorne in die ebenfalls unendliche Weite des blauen Horizontes – wie ihr vor nicht allzu langer Zeit ein völlig unbekannter Klang zu Ohren kam und ihr eine Träne entlockte. Sie lächelt gedankenversunken vor sich hin und bemerkt, wie sie glücklich eine zweite Träne verliert. Tief unten spürt sie ihn rufen. Sie blickt erstaunt um sich und wirft einen scheuen, neugierigen Blick nach unten (oder war es oben?). Gebannt bemerkt sie, wie die Dunkelheit sich ausweitet und sie schliesslich ganz umschliesst.
    Sie fragt sich, wo denn nun ein Abgrund sein soll, oder gibt es einen Aufgrund, eine Aufdecke, einen Himmel? Ist das Nichts das Alles oder ist alles nichts und gibt eins und eins zwei? Was ist Es?
    Zart umschmeichelt sie die schwarze Nacht und lässt ihre Haut erschauern. Sie fühlt, wie Wärme in ihr emporsteigt und sie erfüllt bis in die äusserste Spitze ihrer sanft getuschten Wimpern. Es gibt keine Fragen mehr.
    Und so, wohlig umarmt, vertraut sie sich der Dunkelheit an und badet ihre wiederbelebten Sinne lustvoll in den Fluten der schäumenden Gischt.

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